
Auf den Spuren meiner Vergangenheit

Ich bin 1997 in Köln geboren und habe dort meine ersten drei Lebensjahre verbracht, bevor ich mit meiner Familie nach München gezogen bin. Diese Woche bin ich zum ersten Mal bewusst nach Köln zurückgekehrt und habe versucht, einige Bruchstücke meiner frühesten Kindheit wiederzufinden und einzuordnen.
Vieles davon sind keine vollständigen Erinnerungen, sondern einzelne Bilder. Ich sehe einen Drachen am Rheinufer, der von einem starken Wind davongetragen wird. Ich erinnere mich an den Blick aus einem Fenster auf einen Vogelmarkt mit Kanarienvögeln. An Kräne, die ich aus der Perspektive eines Kinderwagens über mir gesehen habe. Und an eine Brücke, über die ich mit meinem Vater gegangen bin.
Gerade diese Brücke hat mich besonders beschäftigt. Ich erinnere mich daran, die Hand meines Vaters zu halten und mit ihm über den Rhein zu laufen. Auf der anderen Seite gingen wir in einen kleinen Spielwarenladen, der für mich als Kind riesig gewirkt haben muss – voll mit Spielzeug und kleinen Autos. Dort kaufte mir mein Vater ein Metall-Batmobil, das ich bis heute mit dieser Szene verbinde.
Also bin ich auf Spurensuche gegangen. Der Rheinpark liegt tatsächlich genau dort, wo ich ihn in Erinnerung hatte. Hier scheint der Drachen aus meiner Erinnerung verloren gegangen zu sein. Auch den Vogelmarkt am Annoplatz, den es heute längst nicht mehr gibt, konnte ich anhand des Blickwinkels meiner Erinnerung ungefähr verorten. Und auch die Brücke lässt sich inzwischen ziemlich gut eingrenzen: Sehr wahrscheinlich war es die Severinsbrücke, über die ich mit meinem Vater nach Deutz gelaufen bin. Auf der anderen Seite soll es damals einen kleinen Spielwarenladen gegeben haben, der heute nicht mehr existiert.
Was mich daran am meisten fasziniert, ist mein Alter zu dieser Zeit. Ich war gerade einmal zwei oder drei Jahre alt. Trotzdem scheinen einzelne Orte, Perspektiven und Situationen irgendwo in meinem Gedächtnis gespeichert geblieben zu sein – fast drei Jahrzehnte lang.
Vielleicht funktionieren Erinnerungen gar nicht wie Geschichten, sondern eher wie Puzzleteile. Ein Bild hier, ein Gefühl dort, eine bestimmte Perspektive oder ein Ort. Und manchmal, wenn man Jahre später zurückkehrt, findet man plötzlich einen Teil des Puzzles wieder und kann ihn an seinen ursprünglichen Platz setzen.
Meine Erinnerungen sind dadurch nicht vollständiger geworden. Aber sie haben Orte bekommen. Und vielleicht ist genau das das Faszinierende daran: Dass ein kleiner Teil unserer Vergangenheit irgendwo in uns weiterlebt, selbst wenn wir längst vergessen haben, wann und wo er entstanden ist.
Das Puzzle ist noch nicht vollständig. Vor allem suche ich noch nach dem kleinen Spielwarenladen in Deutz, in dem mein Vater mir damals das Batmobil gekauft hat. Vielleicht erinnert sich ja jemand daran.



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